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Spendenkreise mit nachhaltiger Wirkung

Das Prinzip klingt einfach: Menschen kommen zusammen und spenden für einen bestimmten Zweck. Wir haben Tim Kotschenreuther (WIDER SENSE TraFo gGmbH) und Alexandra Ripken (Amnesty International) gefragt, was die Giving Circles ausmacht und wie man selbst Gründer oder Gründerin wird.

Das Konzept kommt aus dem anglo-amerikanischen Raum. In den USA gibt es mittlerweile circa 2.000 solcher Kreise, während die Teilnahme in Deutschland eher zaghaft ist und erst in den vergangenen beiden Jahren an Fahrt gewonnen hat. Damit die Giving Circles in Deutschland mehr Nachahmer:innen finden, bietet die WIDER SENSE TraFo gGmbH zusammen mit der Haus des Stiftens gGmbH und der Kurt und Maria Dohle Stiftung seit 2021 das vom amerikanischen Netzwerk Philanthropy Together entwickelte Trainingskonzept Launchpad DACH für deren Gründung und Durchführung an.

Brückenbauer

„Idealerweise wird ein Giving Circle langfristig gedacht, man kann ihn aber auch als einmaliges Event durchführen“, definiert Tim Kotschenreuther. „Menschen kommen zusammen, um ein gemeinsames Anliegen umzusetzen. Natürlich könnte jeder direkt an die Organisation spenden. Aber im Giving Circle erzielt man zusammen einen größeren Betrag und erlebt, wie das Engagement vieler eine große Wirkung entfalten kann.“ Manche Kreise sind für jeden interessierten Menschen offen und verabreden Termine spontan, andere haben eine limitierte Zahl an Teilnehmer:innen und legen regelmäßige Termine fest. Einige spenden jedes Mal für ein bestimmtes Thema, andere wechseln. Alles dazwischen ist ebenso möglich.

„Häufig werden Menschen aus den Organisationen eingeladen, für die ein Giving Circle Spenden sammelt“, berichtet Tim Kotschenreuther. „Man macht sich nach Spendenaufrufen zwar ein Bild von der Situation, Berichte aus erster Hand zu hören, kann jedoch weiter die Augen öffnen für die Herausforderungen und Probleme, für die es Spenden braucht. Der Giving Circle wird so zum Brückenbauer zwischen Spenderinnen und Spendern und der Organisation.“

Jeder kann mitmachen

„Die Giving Circles sollen jedem die Möglichkeit geben, Teil des Guten zu sein – finanziell oder ideell“, wünscht sich Tim Kotschenreuther. „Vielleicht hat jemand keine Zeit, sich umfassend über Organisationen zu informieren, kann aber eine Stunde für den Giving Circle aufbringen. Dort werden Organisationen präsentiert, die die Organisator*innen ausgewählt haben und diesen somit einen Vertrauensvorsprung verschaffen.“ Inwieweit sich jeder oder jede Einzelne engagiert, ist individuell. „Ich nenne es eine Art ,Demokratisierung der Philanthropie‘“, erläutert Kotschenreuther. „Jeder und jede hat eine Stimme und kann sie einsetzen bei der Organisation des Kreises oder bei der Suche nach Themen. Das ist nicht immer einfach. Wir haben einen Kreis betreut, bei dessen erstem Treffen es ordentlich im Getriebe knarzte, als es um bestimmte Entscheidungsfindungen ging. Aber genau dieser Diskurs macht die Giving Circles aus – genauso wie unsere Demokratie. Am Ende sollte man in der Lage sein, einen tragfähigen Weg für eine Entscheidung zu finden.“

Im Idealfall werden anfallende Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt. Jemand sollte dafür sorgen, dass die Termine festgelegt und die Teilnehmer:innen informiert werden oder dass es geeignete Spenden-Tools gibt. „Man kann im kleinen Kreis Barspenden sammeln, die man dann an eine Organisation weiterleitet“, beschreibt Tim Kotschenreuther eine einfache Form, Spenden im Giving Circle einzusammeln. „Oder man sucht Unterstützung bei den Organisationen, für die man spenden möchte. Manche haben beispielsweise Online-Spenden-Tools, die man zur Abwicklung nutzen kann. Auch haben sie ein bestehendes Spendenmanagement, über das sie Quittungen ausstellen können. Plattformen wie betterplace.org kommen ebenfalls infrage, um den Prozess zu vereinfachen.“ Gelegentlich erfordert das Vorhaben auch Hartnäckigkeit. Tim Kotschenreuther hat einen Giving Circle begleitet, der nicht von Beginn an rund lief: „Das erste Treffen musste ausfallen, weil zu wenig Leute teilnehmen wollten. Die Resonanz hatten sich die Organisatoren anders vorgestellt, sie waren enttäuscht. Es wurde ein neuer Anlauf unternommen, noch mehr Werbung gemacht und die Veranstaltung wurde ein Erfolg.“

Ein Praxisbeispiel

Alexandra Ripken war Teilnehmerin der ersten Trainingsrunde und erzählt: „Das war hilfreich, um  die Palette an Möglichkeiten kennenzulernen. Wir haben viele Praxisbeispiele gehört und selbst einen Giving Circle geplant und durchgeführt.“ Nach ihrem Training hat sie sofort einen Kreis gegründet, zusammen mit ihren vier Kindern und einer Freundin. „Wir haben 20 Freundinnen und Freunde eingeladen. Zwölf davon haben teilgenommen.“

Das erste Treffen haben „die Spendenlümmel“, wie sie sich nennen, im Dezember 2021 organisiert und diesen Turnus wollen sie beibehalten. „Unser Motto lautet: Wir predigen Spenden und trinken Wein“, erzählt Alexandra Ripken. „Die Mitglieder aus unserem Kreis schlagen Organisationen vor, die ihnen am Herzen liegen, egal aus welchem Bereich. 2021 waren es die DKMS und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Wir haben es den Personen selbst überlassen, ob sie die eigene Spende an eine der Organisationen geben oder aufteilen wollen.“ Aus beiden Organisationen war jeweils ein:e Vertreter:in bei der Veranstaltung dabei. Alexandra Ripken hat mit beiden vorher telefoniert, um den Ablauf zu besprechen. „Die Teilnehmer:innen unseres Circles kannten die Organisationen grundsätzlich schon, als Spender:innen oder durch ehrenamtliches Engagement. Bei unserer Veranstaltung konnten sie aus erster Hand hören, was in den Projekten los ist, wo Hilfe nötig ist und was die Mitarbeiter:innen dazu motiviert, sich zu engagieren. Eine Vertreterin hat ,nur‘ erzählt, die andere hat Bilder aus den Projekten gezeigt. Wichtig war die Verbindung der Organisation zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unseres Giving Circles. Bei uns zählt die persönliche Nähe zur NPO. Das schafft Vertrauen und lässt Erzählen zu.“

Alexandra Ripken möchte das Konzept auch bei Anmesty International einsetzen: „Wir initiieren einen Giving Circle und laden Middle und Major Donor ein, daran teilzunehmen“, gibt sie einen Ausblick. „Ich weiß, dass viele unserer Spenderinnen und Spender Ideen suchen, wie sie andere in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis zum Spenden motivieren können. Wir schlagen ihnen vor, weitere Interessierte einzuladen. Der Auftakt findet im Mai 2022 statt. Wir warten die Resonanz ab und entscheiden dann, wie es weitergeht.“

Das Training für Gründerinnen und Gründer

2022 werden weitere Trainings angeboten. WIDER SENSE begleitet Teilnehmer*innen und Teilnehmer auch darüber hinaus: „Wir fragen regelmäßig nach, ob wir helfen können und es gibt offene Sprechstunden. Auch ein Alumni-Treffen mit dem ersten Jahrgang hat bereits stattgefunden“, erläutert Tim Kotschenreuther. „Wir wünschen uns, dass mit der Zeit ein Netzwerk entsteht, in dem sich die Leute gegenseitig unterstützen können.“ Alexandra Ripken gibt interessierten Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg: „Es ist ganz leicht. Einfach machen.“

 

Im Gespräch

  • Tim Kotschenreuther, Analyst bei WIDER SENSE TraFo gGmbH
  • Alexandra Ripken, Fundraiserin bei Amnesty International

Quelle: FUNDStücke

 

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